„Festfreude“

Nach dem bereits referierten, verwandten Begriff „Lebensfestlichkeit“, der mit dem Mythos in Verbindung steht, möchte ich an das Wort „Festfreude“ erinnern. Es ist ein gänzlich ungewohntes Wort, es steht sogar im Duden. Wie steht es heute darum?

Von Nietzsche ist der Satz überliefert „Fest ist Heidentum par excellence.“ Ihm fehlt freilich die persönliche Kenntnis des Lebens der Völker um das Mittelmeer und im Nahen Osten. Auch Heidegger zitiert in seinem Nietzsche-Werk diesen Satz. In einer Biographie über Heidegger, der relativ ärmlich in einem Dorf aufwuchs, heisst es, er habe erstmals bei seiner Heirat mit der protestantischen Offizierstochter Elfriede bei deren Eltern in Frankfurt einen reich gedeckten Tisch erlebt – oder wie er sich ausdrückte – eine Tafel. Solche Tafelfreuden kannte er vorher also nicht. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg muss in diesem bäuerlichen Milieu Süddeutschlands sehr karg gewesen sein.

Die Klagnis der ärmlichen Kümmerlichkeit und der biederen Gehemmtheit des Lebens in den protestantischen Nordkulturen, die den Wein nicht kennen, die emotionale Niedergedrücktheit des Affektes, der teilweise übertriebene Ernst der Musik, steht das Wort „Festfreude“, das den Frohsinns bezeugt und für gelöste Freude steht, entgegen. Weshalb Nietzsche ausgerechnet dem mit einem reichen religiösen Festkalender gesegneten Katholizismus jegliche Festlichkeit in seiner Einlassung absprach, bleibt ein Rätsel. Nietzsche verband das Animalische mit dem Fest und stellte es in den Gegensatz zur Religiosität des Christentums.

Nietzsche sinnierte ausgiebig über den Rausch. Die alten Griechen mischten Partydrogen in den Wein und praktizierten Rauschtrinken bei ihren Symposien („Antiker Wein war häufig mit anderen Substanzen versetzt, eingeschlossen dem, was wir heute Freizeit- beziehungsweise Partydrogen nennen würden). Noch im Mittelalter waren Partydrogen ein Problem, denn das Reinheitsgebot für Bier wurde deshalb nötig und der beruhigende Hopfen im Bier eingesetzt, um das Problem des Reinmischen von Drogen ins Bier zu lösen. Der Drogenrausch mit den berauschenden Kräutern und Pflanzzusätzen im Bier führte öfter zu Schlägereien. Lange war das wohl für christliche Herrscher keinesfalls ein Problem gewesen – oder ist zumindest nicht protkolliert.