„Versöhnungshandeln“

Ein christlicher Begriff, den ich dem Werk von Klaus Berger entnehme, lautet „Versöhnungshandeln“. Es deutet auf die vollkommene Vernunft von Frieden, Gnade, Güte und Liebe hin. Berger betont in seinem Bibelkommentar die Menschenfreundlichkeit der Religion. Ein anderer Begriff, der mehr der Philosophie entstammt, lautet „Guthandeln“. So ergänzen sich der philosophische und der religiöse Traditionsstrang des Abendlandes zueinander.

„Irenik“

Zur Reihe quasi vergessener politischer Begriffe zählt das Wort „Irenik“. Es bedeutet so viel wie Versöhnung. Intellektuell wurde es in der Nachkriegszeit vom Schöpfer der Sozialen Marktwirtschaft Alfred Müller-Armack profiliert. Dieser Teil seiner Konzeption geriet in Vergessenheit. Nahe liegt, dass Müller-Armack auch vom Werk des früh verstorbenen Philosophen Max Scheler „Weltzeitalter des Ausgleichs“ inspiriert war aus einer gleichnamigen Publikation Ende der 20er, das dieser mit Bezug auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg schrieb. Beide wirkten in Köln an der Universität.

1927 hielt Scheler den Vortrag „Der Mensch im Weltzeitalter des Ausgleichs“. Scheler war in der Weimarer Republik eine große philosophische Erscheinung gewesen. Sein früher Tod 1928 beendete sein hoffnungsvolles, kreatives und dynamisches Wirken dieses Freigeistes. Der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer hatte sich mit für seine Berufung an die Universität Köln eingesetzt, die schon 1921 erfolgte. Hatte Scheler während des Ersten Weltkrieges noch kriegsverherrlichende philosophische Ansätze vertreten, so läuterte Scheler sich später.

Goethes Begriffe: „Sorgenbrecher“ und „Versöhungsmittel“

Der Wortschatz von Goethe trägt zu umfassender Inspiration bei. So rühmte er den Wein als „Sorgenbrecher“ und ersann Worte wie „Versöhnungsmittel“. Zwar trug Goethe leichthin den Kirchen auf, für die Liebe zwischen den Menschen zu sorgen, aber er scheint dennoch auch die persönliche Initiative mit seinen Künsten in dieser Sache ergriffen zu haben.  So sagte man ihm auch nach, die „Nase eines Frankfurter Weinhändlers“ gehabt zu haben. „Goethe und der Wein“ ist ein in der Literatur bearbeitetes Thema. Eine erste Einführung bietet der gleichnamige Band in der Insel-Bücher. Messen lassen muss sich Goethe allerdings an Jesu Einsetzung des Abendmahls.

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„Gunststein“

Zu den größten sprachlichen Leistungen in Deutschland zählt nicht nur etwa die Bibelübersetzung Martin Luthers, sondern auch die von den beiden deutsch-jüdischen Gelehrten Martin Buber und Franz Rosenzweig 1929 vorgelegte „Verdeutschung“ der Schrift. Sie bildet einen der Höhepunkt der brüchigen deutsch-jüdischen Synthese in der Weimarer Republik. In dieser Übersetzung wird das Wort „Gunststein“ für Geschenk gefunden. Die vier Bücher sind im Karton bei der Deutschen Bibelgesellschaft als Lizenzausgabe erschienen. Die Bibel kennt also das große Thema Bestechung.

„Liebesfreud“

Urthema dieses Blogs ist die Spracharmut und Sprachnot im Feld von Liebe, Gefühlen und Sehnsüchten, der Verlust an Nuancen und Schattierungen, der Mangel an Verspieltheit der Sprache, die mit der des Lebens und der Liebe mithält. Deshalb begeistert ein schlichtes Wort wie „Liebesfreud“ umso mehr. Es ist deutlich weniger bekannt als das Gegenstück „Liebesleid“.