Von der „Frauenschwäche“ in der Bibel: AT und NT im Vergleich

Dieses Wort meint nicht etwa die Schwäche von Frauen, sondern bezeichnet in einem Bibelkommentar das Verhältnis von Tempelbauer Salomon zu Frauen. Schon David zeigte Bosheit und Kalkül bei Uria, um an dessen Frau zu gelangen.

Unklar bleibt, ob dies biblische Bild auf unverheiratete und geschützte Frauen übertragbar sein kann. Es muss so ausgelegt werden, keiner Frau ihren familiären Schutz zu nehmen, um sie dann mit sowas wie Königsgewalt oder den Machtmitteln von David gefügig zu machen.

Im „Buch der Sprüche“ heisst es kurz und knapp „Weiber und Wein betören die Weisen“. Vor der verführerischen fremden Frau wird dort gewarnt.

Normale Nähe zu Frauen zeigt erst Jesus deutlicher. Im Alten Testament hat das seltenheitswert. Anders dagegen bei Jesus:

Als praktisches Beispiel wird hier auf Jesus Umgang mit der sündigen Frau hingewiesen, welche ihn – unfreiwillig gegen seinen Willen – mit kostbaren Ölen aus einem Alabastergefäß salbte und – je nach Übersetzungsvariante – zärtlich (mehrfach) den Fuß küsste (Lukas 7,48). Klaus Berger vergleicht dies mit Mt 5.-7,8 und kommentiert dies wie folgt: „Unter den Frauen hat diejenige Namenlose die größte Autorität, die am meisten liebt.“1 In einem weiteren Werk beurteilt Berger diese Textstelle folgendermaßen: „Die Edelhure, die sich an Jesu Füßen mit zweifellos erotischen Absichten zu schaffen macht, lobt Jesus mit den Worten: ‚Sie hat viel geliebt‘ (Lk 7,47). Das ist jedenfalls eine Provokation für alle treuen und anständigen Eheleute“, so Berger. Berger nennt dies den Humor bei Jesu. In der weiteren Beurteilung von Berger lautet es: „Jesus ist einer, der arme Erze aufbereiten kann. Auch im verzweifelten Geschäft einer Dirne erkennt er den Adel der menschlichen Seele. … denn Jesus betont hier nicht den Abstand von Gott und Mensch, sondern die Frau von Lk 7 darf sich fühlen und betrachten als ’neu geschaffen‘.“2 Die Bibelstelle ist ein Beispiel dafür, dass die Nähe zur Sünde überwunden werden kann und das Jesus bereit ist, aus tiefster Menschenkenntnis und Lebenskundigkeit heraus, an einer solchen Entfernung von der Sünde mitzuwirken – gerade und besonders in den Fällen, in denen konventionelle Moral zur Verurteilung und Verdammung sündigen Verhaltens einschreiten und sich selbstgerecht gebärden will.

1 Berger 2012 S. 233

2 Berger 2019a S. 114

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